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Hurra ich habe die Weltformel gefunden!

 

Die Weltformel.

Diesen Begriff haben wir bestimmt alle schon einmal gehört, aber wir wissen nicht viel mehr darüber. Vielleicht, dass die Weltformel etwas ist, nachdem irgendwelche Leute suchen, Wissenschaftler vielleicht oder Philosophen. Und obwohl wir uns mit diesem Thema bisher kaum beschäftigt haben, wissen wir eigentlich genau, das sie nie gefunden worden ist, die Weltformel. Sonst hätte man bestimmt mal etwas davon gehört. Denn es hätte sicher für großes Aufsehen gesorgt, wenn man diese eine Formel gefunden hätte. Nein, sie scheint noch nicht entdeckt worden zu sein. Aber es gibt doch einige Anhaltspunkte, denn die Leute, die nach ihr suchen, haben dabei so in etwa umrissen, wie diese Formel aussehen könnte und wo sie möglicherweise zu finden ist.

Einige glauben, die Weltformel sei eine gaaanz lange mathematische Gleichung, die niemand lösen kann. Oder Stephen Hawking, der behinderte Physikautor, zum Beispiel glaubt, die Weltformel sei eine große vereinheitlichte Theorie, die die Quantenmechanik mit der Astrophysik verbindet und mit der man dann alles, aber auch wirklich alles erklären könnte. Andere wiederum glauben, die Weltformel könne nie gefunden werden, gerade weil sie alles erklärt. Und dann gibt es noch Hinweise in Geschichten, das sie auf hohen Bergen oder in Gott selbst verborgen sei. Ja, es gibt sogar Leute, die behaupten, die Weltformel wäre eine zweistellige Zahl mit der Quersumme sechs.

Einig aber, sind sich die meisten darüber, was die Weltformel ist, nämlich die Antwort auf alle das Leben betreffenden Fragen und der letzte Schluss aller Weisheit auf Erden und möglicherweise sogar ein Schlüssel, der den Weg in eine bessere Welt weist. Ein ganz schöner Brocken also, diese Weltformel und wohl eines der bedeutendsten Dinge, die man überhaupt finden kann.
Und da können sie sich sicher meinen erstaunten Gesichtsausdruck vorstellen, als ich sie neulich gefunden habe. 
Gerade ich? Und dann noch ganz, ohne darüber nachzudenken, einfach so. Ich war wirklich sehr, sehr erstaunt und verwundert. Wie konnte das sein, die Weltformel gefunden, ohne auch nur ein bisschen zu überlegen? Doch da fiel mir plötzlich ein Satz ein, den ich vor einiger Zeit mal zu mir selbst gesagt hatte: „Die Antwort auf die Frage nach der Wahrheit ist so einfach, das sich die Frage erübrigt“. Und natürlich, da war sie plötzlich, die Antwort, die keiner Frage bedarf: Die Wahrheit!

Zu meinem weiteren Erstaunen war die Weltformel dazu noch ganz einfach. Keine ellenlange Gleichung mit unbekannten Zeichen und Symbolen, keine riesige Theorie, keine unaussprechlichen Gedanken. Nichts von alledem! Es waren lediglich neun einfache Worte, aneinandergereiht zu einem Aussagesatz: 
„Aus Vorwärts wächst die Einsamkeit, aus Rückwärts die Gemeinsamkeit.“ Unglaublich, ich hatte sie wirklich gefunden.
Und weil ich, in meiner Freizeit gerne mal Marketingkonzepte für irgendetwas (z. B. Kartoffeldruck) erarbeite, hab` ich mir gedacht: „machst`e gleich `nen fetzigen Slogan draus, da hört sich die Weltformel gleich noch besser an“. Und der lautete dann: „Aus Vorwärts wächst die Einsamkeit, aus Rückwärts die Gemeinsamkeit, aus Gemeinsamkeit wächst Glück, drum rückwärts Stück um Stück!“

Naja und weil man so eine Weltformel total schwer verheimlichen kann, habe ich es natürlich gleich überall herumerzählt. Und wie ich das so tat und vom „Rückwärts“ als einzigen Weg zu Glück und Zufriedenheit berichtete, habe ich Dinge zu hören bekommen wie: „Na dann geh` doch in den Wald, mach dir ein Feuer an und fang dir ein Mammut zum Abendbrot, wenn du unbedingt wieder in der Urzeit leben willst“. Da ist mir dann erst mal klar geworden, dass manche Leute die Weltformel ganz anders verstanden haben, als gedacht, weil sie annahmen das „Vorwärts“ und das „Rückwärts“ würde sich auf die Zeit, beziehungsweise die Geschichte beziehen.

Ja, es ist wirklich nicht einfach, wenn man ausgerechnet Worte benutzt, um etwas zu sagen. Denn Worte sind wohl eines der mehrdeutigsten Sachen, die es überhaupt gibt. Tja, was bleibt mir anderes übrig als kurz zu erklären, was mit dem Vorwärts und dem Rückwärts in der Weltformel tatsächlich gemeint ist.

Also, mit Vorwärts ist eher der Fortschritt gemeint und dabei speziell der persönliche, wie zum Beispiel Karriere, Weiterbildung und dem Wunsch nach mehr materiellen Gütern, also im Prinzip das ständige Streben, sich in eine Person zu verwandeln, die man nicht ist. Das ist mit dem Vorwärts gemeint, und einsam macht das ganze natürlich, weil eine solche Vorwärtsentwicklung bei begrenzten Ressourcen zwangsläufig den Wettbewerb mit anderen Menschen zur Folge hat. Und da das Vorwärts naturgemäß immer weiter fortschreiten muss, sind irgendwann alle Menschen um einen herum Wettbewerber, ja und dann ist man einsam. Mit Rückwärts dagegen ist eher das sich Begnügen gemeint, also der persönliche Rücktritt, von dem Menschen der man sein will, hin zu dem, der man ist, also die Selbstfindung, aber das ist auch alles bei Jesus und Buddha nachzulesen.

So, ich hoffe jetzt wird die Weltformel so verstanden, wie angedacht und es müsste alles klar sein, wäre da nicht noch ein seltsamer Umstand an dem Ganzen, der noch zu klären ist. Und zwar die Frage, warum all die Philosophen und Wissenschaftler die Weltformel nie gefunden haben, wo es doch eigentlich ziemlich simpel schien? Nun ganz einfach, die Antwort steckt in der Formel selbst und in der Tatsache, dass ein Mensch, unabhängig von seinem Intellekt, nur bis zu dem Punkt denken kann, an dem das stets positive Bild, das er von sich selbst hat, in Gefahr gerät. Und deshalb konnte niemand die Weltformel finden, der sie für seinem persönlichen Fortschritt finden wollte. Ein Fortschrittsmensch (oder Wissenschaftler) hätte sich mit einer Formulierung, die den Fortschritt negiert, selbst negiert und wäre wahrscheinlich explodiert oder so (wenn auch nur seelisch). Nein, die Weltformel konnte nur jemand finden, der das Vorwärts bereits verurteilt, der gar nichts Neues finden wollte, sondern ganz im Gegenteil, einer der rückwärts denkt... Aber Schluss jetzt, davon kriegt man ja einen Knoten im Kopf.

Also noch mal: 
“Aus Vorwärts wächst die Einsamkeit, aus Rückwärts die Gemeinsamkeit, aus Gemeinsamkeit wächst Glück, drum Rückwärts Stück um Stück!“

Ja und nu? Was machen Sie jetzt, mit der neuen Erkenntnis? Was macht man denn mit so einer Weltformel? Nun, Sie können sie ja jemanden erzählen oder sie lernen sie einfach auswendig oder Sie drucken sie sich auf ein T-Shirt. Es gibt so viele Möglichkeiten. Machen Sie das Beste draus!

 

 

 
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